WHEN IN SWITZERLAND…

WHEN IN SWITZERLAND…

Wenn man mit dem Blick auf den Matterhorn den Sonnenuntergang beobachtet, der Schatten der Schweizer Alpen immer näher rückt und dabei knietief im Schnee steht, dann hat man etwas falsch gemacht…. Aber dazu später mehr.

Wir hatten einen groben Plan von dem was wir in der Schweiz sehen wollten. Auf einer Karte markierten wir alle Orte und besonders dick unterstrichen war der Matterhorn. Dementsprechend wählten wir unser Airbnb genau in der Mitte all‘ dieser Orte: in Interlaken. Nach 7 Stunden Autofahrt kamen wir dann endlich an unserem Zielort an. Die Sonne schien, keine Wolke war am Himmel zu sehen und die Berge glänzten prächtig am Horizont. Es ist April und während im Rheinland die Grillsaison eröffnet wird und die Freibäder allmählich wieder das Wasser in die Becken laufen lassen, liegt in der Schweiz nicht nur Schnee auf den Bergen, sondern auch im Tal… und das hatten wir nicht wirklich bedacht. Nach einer kurzen Sekunde der Verwirrung, kamen wir zu dem Entschluss, dass der Schnee bei gefühlt 15°C schon noch schmelzen wird und uns nicht im Weg steht.

Als wir am nächsten Tag aufwachten, lag eine dicke weiße Wolkenschicht über den Bergen und es war ar***kalt.

Trömmelbachfälle

Tag 2

Unser erster Stopp war das 30 Minuten entfernte Lauterbrunnental. (Fun Fact: J. R. R. Tolkien soll das Tal als Inspiration für sein Bruchtal gedient haben.) Dort besuchten wir als erstes die Trömmelbachfälle. Das sind 10 Wasserfälle innerhalb eines Berges. Man fährt mit der Talbahn hoch und hat von oben einen fast schon furchteinflößenden Blick in ein schwarzes Loch. Im Sommer sind die Wasserfälle noch lauter und voller, da im Winter auf den Bergen das Wasser in Form von Schnee noch liegt. Trotzdem hatten wir einen „krassen“ Blick auf das Tal und die gegenüberliegende Bergwand.

Danach hatten wir die grandiose Idee auf das Jungfraujoch mit der Gondel hochzufahren. Obwohl wir schon den Nebel vom Tal aus über die Bergwand kriechen sehen konnten, waren wir der Meinung von oben einen fantastischen Blick auf das Tal zu haben. Als wir oben ankamen, sahen wir nichts. Eine halbe Stunde später stolperten wir mit Sneakern über die 1 Meter dicke Schneeschicht und fuhren dann wieder runter. Am Abend  beschlossen wir je nach Wetter zu den jeweiligen Orten zu fahren.

Tag 3

Am nächsten Morgen wurde ich mit den Worten: „Dilara guck mal“ geweckt und Alex stand vor mir und streckte mir die Wetter-App ins verschlafene Gesicht. Noch halb im Schlaf erkannte ich, dass in Zermatt die Sonne schien und blauer Himmel versprochen wurde. Genau 2 ½ Stunden später standen wir mitten in Zermatt und starrten hoch auf das Matterhorn. Um noch eine bessere Sicht auf den Berg zu haben, entschieden wir uns ein wenig hochzuwandern und dann mit der Gondel auf den höchsten Punkt zu fahren. Nachdem wir endlich oben angekommen waren, konnten wir nicht fassen wo wir uns gerade befanden. Der Matterhorn war schon immer ein Ort den ich besichtigen wollte, und konnte ihn nun endlich von meiner Bucketlist streichen.

Blick auf den Matterhorn auf dem Weg runter ins Tal

Als wir da ganz oben auf einer Terrasse saßen, bemerkten wir das die Gondel stehenblieben. Außerdem fiel uns auf, dass außer ein paar Skifahrern kein Mensch zu sehen war. Nachdem wir erfuhren, dass nach 17 Uhr keine Gondeln mehr runterfahren würden, dachte wir es wäre kein Problem den Berg runterzulaufen… Eine Stunde später standen wir fluchend knietief im Schnee und sahen schon den ADAC Hubschrauber uns retten kommen. SUPER IDEE! KLAR! DENN WIR DACHTEN WIR KÖNNTEN VON EINEM DER HÖCHSTEN BERGE DER SCHWEIZ EINFACH SO RUNTERLAUFEN!

Auch wenn der Weg ins Tal mit genialen Sprüchen wie: “Das schlimme ist, dass keiner nach uns suchen wird, weil wir niemanden erzählt haben wo wir sind.” und “Ich ruf meine Eltern jetzt nochmal über Facetime an.” und “Fick die Schweiz.” geprägt sind, wir nach vier Stunden Abstieg endlich am Auto ankamen. Am Ende des Tages waren wir bis auf die Unterhose nass, kaputte Schuhe und blaue Flecken. Dennoch sind genau solche Situationen Geschichten die man sein Leben lang erzählen wird.

Alleine auf der Skipiste

Blick auf die Alpen in Zermatt

Tag 4

Nach unserer Nah-Tod-Erfahrung wollten wir den nächsten Tag etwas ruhiger angehen und hatten uns vorgenommen die Aussichtsplattform “Harderkulm” zu besichtigen. Natürlich hat das mit dem “etwas ruhiger angehen” nicht so gut geklappt, denn die Talbahn, die uns eigentlich in 5min 800m höher bringen sollte, war in Wartung und uns blieb nichts anderes übrig als den 2 stündigen Wanderweg zu nehmen. Nach einer halben Stunden machten wir eine kleine Pause und Aleks schaute nach oben und sagte: “Ey Leute, da oben ist die Aussichtsplattform. Ich kann sie schon sehen!”… Danach waren wir noch 3 Stunden unterwegs.

Ständig liefen uns ältere Frauen mit ihren tollen Wanderstöcken und noch tolleren Wanderschuhen entgegen und sahen bemitleidenswert in unsere schweißgebadeten Gesichter. Einmal rann auch eine Frau an uns vorbei und erkannte unsere Not. “Nur noch 10min.”, sagte sie. Es waren 40min aber das verzeihen wir ihr, da sie wahrscheinlich unser Tempo mit ihrem verwechselt hatte. Nach 3 ½ Stunden Wanderung hatten wir dann endlich die Aussichtsplatte erreicht. Es war 18 Uhr als drei Studenten aus dem Pott auf der Aussichtsplattform standen und dachten: “Da unten. Dieser weiße Punkt. Das ist unser Auto. FUCK.”

Aussicht von der Plattform

Zu unserem Glück durften wir mit den Arbeitern runterfahren, die oben auf der Plattform Stühle und Tische aufbauten.

Auch wenn der Aufstieg super anstrengend war, war es dennoch ein Erlebnis das sich definitiv gelohnt hat. Die Aussicht war atemberaubend. Von der Plattform konnten wir auf ganz Interlaken, den Brieznersee und Thunersee überblicken.

Tag 5

Jetzt wollten wir es aber wirklich ruhig angehen. An unserem letzten Tag fuhren wir zur Aareschlucht. Die Aareschlucht ist ein Felsspalt durch den man an einem Gelände entlang durchlaufen kann.

Unsere Reise beendeten wir mit einem letzten Stopp am Blausee. Dort waren wir schon im letztem Jahr und waren von der Schönheit und vor allem von der Farbe des Wasser überwältigt. Diesmal war es menschenleer und wir hatten den ganzen See für uns.

Obwohl einiges nicht so geklappt hat wie wir es uns vorgestellt hatten, in der Schweiz immer noch Winter war und fast im Schnee erfroren wären, würde ich alles wieder genauso machen. Ich stehe absolut nicht auf Ressorturlaub und gehöre zu der Sorte von Mensch die eher auf dem Boden schläft und dafür zu den atemberaubendsten Orten der Welt fährt… und das Matterhorn gehörte definitiv dazu. 

Freunde zu haben die mit einen planen zu verreisen und es dann auch wirklich tun, sind selten. Ich bin froh mit dieser Chaostruppe die Möglichkeit zu haben reisen zu können und freue mich schon auf unsere nächsten Reise mit dem umgebauten Caravan, den Alex und ich uns gekauft haben. … So stay tuned!

Dilara

 

 

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